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Das IAS in Zeiten von Corona

Ver-rückte Zeiten…

seit März läuft das Leben am Institut ganz anders – wie überall auf der Welt.
Ein kleiner Rückblick: Am 14. März fand mit dem Orientierungstag im Lassalle-Haus die letzte Live-Veranstaltung des IAS vor dem Lockdown statt. Und bereits am Wochenende darauf fand das erste Online-Modul mit der MBSR-Weiterbildungsgruppe aus Hückeswagen statt. Hierfür brauchte es schnelle Kommunikation mit allen Teilnehmenden und den Dozent*innen.

In dieser Zeit haben wir die Dozent*innen geschult, wir haben uns über Erfahrungen mit Online-Unterricht ausgetauscht und alle miteinander sehr viel gelernt. Wir haben neue Formen im Online-Unterrichten für achtsamkeitsbasierte Seminare entwickelt, MBSR- Übungen an die virtuelle Vermittlung angepasst und mehr Sicherheit in der Gestaltung der Gruppenatmosphäre vor dem Bildschirm gewonnen. Unterstützend bei all dem waren Humor und die Bereitschaft, Unsicherheiten auszuhalten.

Corona als Übungsfeld – Teilnehmende erzählen

Wir wollten wissen, wie es den von der Corona-Krise betroffenen Kursteilnehmenden in dieser Zeit ergangen ist und befragten einige von ihnen per Zoom.


Stefa Schick, Berlin, Creative Director, in der Ausbildung zur MBSR-Lehrerin

Unsere MBSR-Ausbildung hat Anfang 2020 begonnen. Vor kurzem hatten wir das vierte Modul. Das erste fand vor Corona und in Präsenz auf dem Benediktushof statt unter der Leitung von Karin Krudup und Johan Tinge. Das zweite Modul war dann während des Lockdowns per Zoom zusammen mit Klaus Kirchmayr und Nils Altner. Die letzten beiden Module fanden wieder am Benediktushof statt.

Aus meiner Sicht war das ein gutes Übungsfeld für die MBSR-Ausbildung: Ständig andere Konditionen vorzufinden als die, die wir gewohnt sind, da seinen Weg durch zu finden und immer wieder neue Entscheidungen zu treffen, wie wir damit umgehen wollen. Wir hatten vier Module und jedes hatte andere Rahmenbedingungen. So wie das Leben halt auch.

Ich finde und das sage ich jetzt vor allem aus der Perspektive einer MBSR-Schülerin und künftigen MBSR-Lehrerin, dass die Coronakrise eine Offenbarung für dieses Übungsfeld ist. Das ist, als hätte man bei einer Rakete eine Wahrhaftigkeitsstufe gezündet, weil wir ganz viele Themen enttarnen können. Wir sind total in unseren Mustern und Gewohnheiten drin und auf einmal passiert so etwas und wir haben nichts mehr unter Kontrolle. Wir können nicht mehr planen, es ist wahnsinnig viel Unwissenheit da und es kommen viele Ängste auf wegen dieser Unwissenheit.

Wie könnte man besser MBSR üben?

Wir hier sind ja immer noch in einer Komfortzone. Die meisten von uns sind ja nicht auf absoluter Ebene existenzbedroht. MBSR-Lehrerin zu sein, heißt für mich, mit dem zu leben, was jetzt ist. Ich bin sehr dankbar, dass ich just in dieser herausfordernden Zeit mit meiner Ausbildung begonnen habe und vor allem, dass das Institut sofort entschieden hat, dass wir die Ausbildung trotz alledem machen. Wir ändern die Form, aber wir bleiben präsent und tun, was wir können. Eine Freundin von mir begann ihre MBSR-Ausbildung an einem anderen Institut. Die haben die Ausbildung dann ausgesetzt. Das fanden damals alle noch gut, jetzt aber nicht mehr. Was mich diese Situation auch lehrt, ist, wie fragil wir Menschen doch sind.

Dennis Alter, Dresden, 42 Jahre, Key Account Manager

Ich bin in der Ausbildungsgruppe BE6. Unsere Ausbildung findet am Rosenwaldhof bei Berlin statt. Wir haben jetzt 3 Module durch und Ende November – so Corona will – werden wir das vierte haben. Das allererste Modul fand per Zoom statt. Wir waren die erste Gruppe, die sich auf Zoom traf, zusammen mit Karin Krudup und Bernd Langohr.
Ich war froh, dass die Ausbildung überhaupt begonnen wurde. Ich hatte mir dafür ja bereits Sonderurlaubstage genommen, die von der Firma genehmigt werden mussten. Ich habe den Vorteil, dass ich im Keller ein Homeoffice habe. Ich habe mir dann überlegt, was ich alles brauchen werde für das Seminar, wie ich mir meinen Meditationsplatz einrichte, um sechs Stunden am Tag sitzen zu können. Wo finde ich den Platz, wenn es Übungen im Liegen gibt? Wie sind die Lichtverhältnisse? Und wie stabil ist der Internetempfang?

Das erste Treffen mit den anderen am Monitor gab einem so eine gewisse Sicherheit, weil man diese ja in den eigenen vier Wänden traf. Mit den Trainern ist gleich eine sehr gute Verbundenheit entstanden. Die Gruppe fühlte sich auch schnell verbunden aufgrund der außergewöhnlichen Situation, in der wir uns alle befanden. Wir waren happy, überhaupt da sein zu können. Es war natürlich nicht so intensiv wie später auf dem Rosenwaldhof, als wir uns face to face trafen und auch abends zusammensaßen. Doch sobald wir uns am Bildschirm in kleinen Breakout-Rooms trafen, wurde es auch sehr intensiv.

Im zweiten Modul, das am Rosenwaldhof stattfand, blieben 10 zuhause und wurden per Computer dazugeschaltet. Und auch im dritten Modul reisten drei vorsichtshalber nicht an. Unser nächstes Modul ist Ende November. Im Moment bin ich noch hoffnungsvoll. Derzeit knüpft Brandenburg keine Bedingungen daran, wenn man aus einem Risikogebiet kommt. Ich glaube, dass einige trotzdem zuhause bleiben werden. Ich jedenfalls werde definitiv kommen, wenn mir keine Steine in den Weg gelegt werden. Ich reise immer einen Tag früher an und bin dann mal völlig raus und kann mich auf die Grundstimmung einlassen. Das ist zuhause natürlich anders, wenn ich die Pausen und die Abende mit der Familie verbringe.

Der Rosenwaldhof ist super-professionell und zuvorkommend. Die reißen sich da echt ein Bein aus, dass alles klappt. Alle waren dankbar, dass wir da sein konnten. Ich fand es sehr gut, wie das Institut die Situation gemanagt hat und wie flexibel die Trainer mit den ständigen Veränderungen umgingen. Wir wurden von allen Dozenten da sehr gut abholt. Eine interessante Erfahrung hatte ich, als bei meinem allerersten Bodyscan plötzlich mein Internet weg war. Ich hab‘ natürlich die volle Krise gekriegt. Rückblickend war es der passende Einstieg in die Achtsamkeit. Dass sich das Leben ständig verändert und letztlich nicht zu planen ist. Das ist für meine Generation, die immer glaubte, alles planen zu können, eine ganz neue Erfahrung. Corona ist eine große Sache. Wir lernen, was wirklich wichtig ist und wie schnell alles vorbei sein kann.

Janine Giese, Hamburg, während der Ausbildung Event Managerin, nun selbstständige MBSR-Lehrerin

Im Juli war unser letztes Modul im Seminarhaus Drawehn in Clenze, einem ganz bezaubernden Ort. Dafür bin ich dankbar, denn das war unser aller Wunsch, dass wir unsere Ausbildung in Präsenz beenden können. Das Seminarhaus hatte sich auf Coronabedingungen sehr gut eingestellt. Sie waren routiniert und haben uns so viel wie möglich ermöglicht. Coronakonform und doch entspannt.

Karin Krudup hat uns in diesem Modul ganz toll vorgelebt, wie man im Hier und Jetzt mit den sich ständig verändernden Dingen umgehen kann. Und dass man auch nicht immer eine Lösung parat haben muss. Sie hat uns dadurch auch viel von der Schwere genommen. Dass es möglich war, diese neue Situation gemeinsam so zu gestalten, dass es für alle gut war, das hat mich sehr berührt.

Bis kurz vorher war es ja nicht klar gewesen, ob es auch klappen würde. Das siebte Modul hatten wir komplett auf Zoom. Das war eine spannende Erfahrung und für mich etwas sehr Besonderes. Ich habe mich richtig getragen und supergut aufgehoben gefühlt. Das Modul war mit Heike Mayer. Es war von Beginn an gleich wieder das Gemeinschaftsgefühl da, was wir uns in den Präsenzkursen aufgebaut hatten. Nähe und Verbundenheit waren über den Bildschirm spürbar. Wir waren alle davon begeistert. Denn davor waren schon auch einige skeptisch gewesen. Doch wir konnten wirklich keine Minderung im Hinblick auf Vermittlung der Themen feststellen. Ich hatte mich im Vorfeld gut für das Seminar am Bildschirm vorbereitet. Und doch war es für mich mit zwei kleinen Kindern im Alter von 8 und 5 Jahren nicht einfach. Ich konnte in den Pausen nicht einfach vor die Tür gehen und eine Gehmeditation machen, da ich sofort von meinen Kindern belagert wurde. Das würde ich das nächste Mal anders machen und mich irgendwo einbuchen, wo ich mehr Raum für mich hätte.

Es waren lange Zeiten am Computer und doch waren wir alle überrascht, wie wenig anstrengend das war. Dazu hat Heike viel beigetragen. Sie hat uns am Ende des Tages auch noch den Raum offengelassen, sodass wir uns untereinander austauschen konnten. In diesem Modul fand noch etwas ganz Besonderes statt: Linda Lehrhaupt hatte sich dazugeschaltet. Sie hat erst einen kleinen Vortrag gehalten und dann war offene Runde. Es war toll, Linda zu erleben und dass wir ihr Fragen stellen konnten. Eine ganz intime Atmosphäre entstand. Das war für mich das Sternchen bei dem Modul via Zoom. Dafür bin ich sehr dankbar.

Dr. Michael Oed, Rodgau, 63 Jahre, Molekularbiologe und Vice President von BioNtech

Ich habe vor, diese Ausbildung zu nutzen, um später meiner Firma erhalten zu bleiben, wenn ich dieses Jahr in Rente gehe. Vor 13 Jahren habe ich in dem Büro, in dem ich gerade sitze, meine Krawatte zugebunden. Und dann bin ich einfach umgefallen. Ich konnte nicht mehr sprechen. Ich kam in eine spezielle Burnout-Klinik. Doch all die Psychologengespräche und Entspannungsübungen haben mir nicht geholfen. Ich konnte nicht mehr schlafen. Um 12 Uhr nachts trafen sich alle Schlafgestörten zu einem Bodyscan. „Ach je, schon wieder irgendwelche Relax-Sachen“, dachte ich nur, „das wirkt doch sowieso nicht“. Doch dann sagte diese junge Frau einen Satz, der mich gesund machte: „Ihr müsst hier nichts zu tun. Es gibt nichts zu leisten, ihr müsst nur einfach hier sein“. Das klingt jetzt vielleicht etwas merkwürdig und ich möchte betonen, dass ich ein Hardcore-Naturwissenschaftler bin, kein Esoteriker. Evidenzbasiert bis in den Kern. Doch die Ansage „Alles, was ihr macht in der nächsten Stunde, ist vollumfänglich in Ordnung“ ist für einen Ausgebrannten ein völlig neues Konzept. Bald schon konnte ich zum ersten Mal wieder schlafen.

Was mich vor 13 Jahren in eine Krise katapultierte, kann es jetzt nicht mehr. Denn wenn es mir zu viel wird, dann halte ich an und gehe eine Woche ins Schweigeretreat. Das ist sehr wertvoll und gibt mir mehr als ein Segeltörn auf den Seychellen. Vor einem Jahr habe ich angefangen, mich intensiver mit Achtsamkeit zu beschäftigen und bin dann natürlich auf Jon Kabat-Zinn gestoßen. Bis dahin hatte ich 13 Jahre jeden Tag meinen Bodyscan gemacht. Das ist meine tägliche Praxis. Ich erlaube mir, einmal am Tag zu praktizieren, egal, ob ich nachts mit China konferiere oder tagsüber mit den Amerikanern. Egal, was beruflich oder familiär los ist. Ich erlaube mir das. Es ist wie Atmen.
Ich habe dann einen MBSR-Kurs in Mainz gemacht und erfahren, dass auch eine Ausbildung möglich ist. Nach einem Orientierungstag im letzten Jahr habe ich Anfang dieses Jahres mit der Ausbildung begonnen. Wir hatten uns alle auf ein persönliches Kennenlernen gefreut. Doch dann fand unser erstes Treffen per Zoom statt. Die Ausbildungsinhalte kamen gut rüber. Die Qualität des persönlichen Treffens ist jedoch durch nichts zu toppen. Ich komme gerade von einem Schweigeretreat vom Rosenwaldhof zurück und da trafen sich 20 Leute, die am ersten Abend noch etwas Smalltalk machten und dann die restliche Zeit auf ihrem Meditationskissen saßen. Eine so unfassbare Energie, die da gemeinsam mit anderen entsteht. Dieses gemeinsame Aufbrechen hat mir am Computer gefehlt. Trotzdem kamen die Inhalte gut rüber.

Alle haben jetzt natürlich Angst, dass es wieder einen Lockdown geben wird. Den wird es auch geben. Doch das Institut geht gut mit der Situation um. Die Ausbildung ist gut. Die Materialien sind gut. Die Lehrer sind gut. Alles hat Hand und Fuß. Dafür kann ich einstehen.

Mit dem Bodyscan durch den Burnout: https://michaeloed.de/ueber-mich/


Susanne Schneider, Ihre Ansprechpartnerin beim Institut für Achtsamkeit, hilft gerne weiter:

Tel: +49-172-2186681

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Donnerstag:10:00 - 13:00 Uhr
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