Aktuelles aus der Forschung: Die Meditationsapp Ballon und die ReSource-Studie

Vor kurzem schloss der Psychologe Dr. Boris Bornemann seine Ausbildung als MBSR-Lehrer am IAS ab. In seinem Beitrag berichtet er von der ReSource-Studie, der bislang größten psychologisch-neurowissenschaftlichen Studie zur Meditation, an der er gemeinsam mit Professor Dr. Tanja Singer mitwirkte. Derzeit entwickelt er die Achtsamkeitsapp „Ballon“, die einen einfachen und niederschwelligen Einstieg in die Welt der Meditation bietet.


Ich habe dieses Jahr (2017) meine Ausbildung zum MBSR-Lehrer am IAS abgeschlossen. Sie ist für mich ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg der persönlichen und wissenschaftlichen Untersuchung von Meditation und Achtsamkeit. Dieser Weg begann vor etwa zehn Jahren während meines Psychologie-Studiums an der Berliner Humboldt-Universität. Zur Meditation und zur buddhistischen Philosophie hatten mich damals zwei Dinge geführt: Zum einen war für mich als neurowissenschaftlich denkender Mensch die Idee überzeugend, dass sich das Gehirn trainieren lässt. Zum anderen konnten die buddhistische Philosophie und Psychologie eine Brücke schlagen, die ich in meinen Studien der westlichen Glücksforschung und der abendländischen Ethik immer vermisst hatte. Die buddhistische Perspektive beleuchtete in klarer Weise den Zusammenhang zwischen persönlichem Glück (der Frage: Was soll ich in meinem Interesse tun?) und kollektivem Glück (der Frage: Was soll ich im Interesse aller tun?). Seitdem ist die Praxis (vor allem Vipassana, Metta und Self-Inquiry) ein wichtiger Bestandteil meines Lebens.

2011 ging ich ans Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, wo ich zusammen mit Prof. Tania Singer die bislang größte psychologisch-neurowissenschaftliche Studie zu Meditation vorbereitete - die ReSource Studie. Mit 17 Meditationslehrer/innen aus verschiedenen Traditionen arbeiteten wir über anderthalb Jahre ein neunmonatiges Programm aus. Das Spannende an dieser Arbeit war, dass wir eine einheitliche, nicht-religiös gebundene Art des Unterrichtens finden mussten, für die jeder einzelne Lehrer Besonderheiten der eigenen Tradition losliess, um sich auf den gemeinsamen Kern der Praxis zu verständigen.

Über 300 Personen wurden über neun Monate in diesem Programm geschult. Mit einem großen Forschungsteam untersuchten wir Veränderungen im Verhalten und Erleben, in der Hirnstruktur und -funktionalität, in der peripheren Physiologie, sowie der Hormon- und Genexpression. Meine Doktorarbeit beschäftigte sich vor allem mit Körperbewusstsein und der Regulation des körperlichen Nervensystems.

Während meiner wissenschaftlichen Tätigkeit wuchs bei mir immer mehr der Wunsch, Meditation auch zu unterrichten. Ich sammelte einige Erfahrungen mit dem Anleiten in einer psychosomatischen Klinik und in privaten Kursen. Mit dem Ziel, meine Kompetenz als Lehrer zu verbessern, entschied ich mich für eine Ausbildung am IAS. Es wurde eine sehr schöne und lehrreiche Zeit daraus. Ich habe erfahren, wieviel Tiefe in dem scheinbar so schlichten Programm von MBSR liegt – und wie systematisch alle Kursbestandteile ineinandergreifen. Gut gefallen hat mir an der Ausbildung am IAS vor allem der soziale Rahmen: Damit meine ich zum einen das ebenso gut qualifizierte wie durchmischte Lehrerteam. Ich hatte das Gefühl, von jedem Lehrenden einen eigenen, hilfreichen Blickwinkel auf MBSR mitzubekommen, wobei sich alle untereinander gut ergänzten. Zum anderen denke ich gerne an die sehr herzliche und offene Gruppe von Teilnehmenden. Ich habe aus den Fragen und Prozessen der anderen viel gelernt. Es gab einen sehr lebendigen Austausch und viel gegenseitige Unterstützung. So hat das gemeinsame Lernen viel Freude gemacht.

Seit Abschluss meiner Dissertation entwickele ich zusammen mit einem Hamburger Verlag die Meditations- und Achtsamkeitsapp Ballon. Sie entstand aus dem Wunsch, einen einfachen, niederschwelligen Einstieg in die Welt der Meditation zu eröffnen. Zusammen mit den Achtsamkeitslehrerinnen Britta Hölzel und Claudia Braun habe ich einen Grundstock von Kursen erarbeitet, der nun laufend ergänzt wird. Neben Einstiegskursen bietet die App auch Kurse zur Vertiefung bestimmter Aspekte der Achtsamkeitspraxis - etwa der Wahrnehmung von Gefühlen und Gedanken – sowie Kurse mit inhaltlichen Schwerpunkten wie Stress oder Schlaf. Natürlich kann so eine App den persönlichen Kontakt mit einem Lehrer nicht ersetzen. Aber sie stellt ein komplementäres Angebot dar, mit dem Menschen unabhängig von ihrem Aufenthaltsort einen Zugang zu einer fundierten und systematischen Anleitung erhalten können.


Weiterführende Links:
ReSource Studie
Einige Ergebnisse zum Thema Körpergewahrsein und Meditation (Artikel 1; Artikel 2)
Die App Balloon (für iOS)