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Interpersonelle Achtsamkeit - Achtsames Sprechen und Zuhören

Der Achtsamkeitslehrer Dr. med. Bernd Langohr erklärt die Grundlagen des Einsichtsdialogs und stellt das neue IMP-Training (Interpersonal Mindfulness Program) vor, das im Mai 2020 am IAS beginnt.


Wir alle kennen die klassischen Formen der Achtsamkeitsübung wie Sitzen in Stille, langsames Gehen oder meditative Bewegung. Ebenso vertraut ist uns die informelle Praxis wie aufmerksam essen, Geschirr spülen oder anderen täglichen Verrichtungen nachgehen. Und dann gibt es das große, komplexe Feld zwischenmenschlicher Beziehungen, welches auch im MBSR-Kurs berührt wird – wohl wissend, dass mindestens ein, wenn nicht gar mehrere eigenständige Kurse zu diesem Thema angemessen wären. So erkenntnisreich und unterhaltsam die Einheit zu Kommunikation sein mag, bleibt es oftmals eine offene Frage, wie es gelingen kann, Achtsamkeit in den zwischenmenschlichen Bereich einfließen zu lassen, wenn doch in unseren Alltagsinteraktionen mit anderen Menschen so vieles so schnell und gewohnheitsmäßig passiert.

Ein direkter Zugang zur Erforschung dieses zwischenmenschlichen Raumes ist die Praxis der Interpersonellen Achtsamkeit, basierend auf dem Einsichtsdialog (oder „Insight Dialogue“ bzw. „ID“) von Gregory Kramer. Bei dieser Praxis sitzen sich meist zwei Meditationspartner*innen gegenüber. Indem zunächst nur eine Person spricht und die andere zuhört, entsteht ein besonderer Raum von gemeinsamer Präsenz, in welchem wir unsere Kommunikationsmuster „in Echtzeit“ bewusst wahrnehmen, daraus entstehenden Stress und Anspannung loslassen und uns für eine wirklich ergebnisoffene Form des Austauschs öffnen können. Das gesprochene Wort ist dabei keine Störung, sondern ein Medium, um wichtige Themen unseres Lebens und unserer Beziehungen zu erkunden.

Als ich vor fünf Jahren mein erstes, 7-tägiges ID-Retreat besuchte, war ich verblüfft, dass mir diese Form der Dyadenpraxis eine vergleichbare Tiefe an innerer Ruhe und Klarheit bescherte wie ich es von Stille-Retreats gewohnt war. Mehr noch: Sie ermöglichte mir eine tiefe Selbstreflexion meiner zwischenmenschlichen Gewohnheiten, was ich aus der „Solomeditation“ so nicht kannte. Seitdem erkenne ich immer deutlicher, in welchem Ausmaß unsere konditionierten Kommunikationsmuster zu einem Gesamterleben von Stress oder Dukkha beitragen, wenn sie unbewusst bleiben und autopilotenmäßig ausgelebt werden. Diese mit der Zeit aufzudecken und bewusst eine (andere) Wahl zu treffen, erlebe ich zwar nicht als schnellen und einfachen Prozess, jedoch als sehr befreiend. Ich bin daher sehr dankbar für die Hilfestellung, die der ID-Ansatz bietet.

Der Einsichtsdialog hat ursprünglich buddhistischen Charakter. Erfreulicherweise haben Florence Meleo-Meyer und Phyllis Hicks mit Erlaubnis von Gregory Kramer ein säkulares Training mit dem Namen „Interpersonal Mindfulness Program“ (IMP) als achtwöchigen Aufbaukurs für Menschen entwickelt, die bereits an einem MBSR-Kurs teilgenommen haben. Nachdem ich 2015 in den Niederlanden die Weiterbildung zum IMP-Lehrer abgeschlossen habe, u.a. zusammen mit meinem Kollegen Frits Koster, durfte ich mit dem Anleiten mehrerer IMP-Kurse vielerlei tiefgehende und berührende Erfahrungen sammeln. Neben den oben genannten Aspekten stellen die Teilnehmenden oft fest, wie verschiedenartig und einzigartig jede Begegnung ist, und wie sich gleichzeitig die Erfahrung von Verbundenheit, gemeinsamer Menschlichkeit und Mitgefühl mit jeder neuen Dyade vertieft. In manchen Austauschrunden zum Abschluss der Kurseinheit kommt es mir vor, als würden alle im Raum meditieren – mit offenen Augen, in Verbindung miteinander, mit Worten, inmitten von Stille. Diese und ähnliche Erfahrungen unterstützen mich wiederum sehr darin, auch im Dialog mit Teilnehmer*innen meiner MBSR-Kurse „dem Entstehen zu vertrauen“ und mit mehr Präsenz und Gelassenheit den Raum zu halten für das, was geteilt werden möchte.

Das Institut für Achtsamkeit bietet in 2020 erstmals eine kompakte Form des IMP-Trainings an, welches Frits Koster und ich leiten werden. Über diese schöne Möglichkeit freue ich mich sehr! Dieses Seminar richtet sich an Menschen, die eine MBSR-, MBCT- oder MBCL-Weiterbildung abgeschlossen haben. Das dreitägige Kompaktformat ermöglicht Interessierten den Zugang zu einem IMP-Training, die sonst nicht an einem achtwöchigen Programm teilnehmen könnten. Zugleich erfüllt es eine der Teilnahmevoraussetzungen für die IMP-Lehrerweiterbildung. Und ganz abgesehen davon bietet dieses Seminar eine wunderbare Gelegenheit, mehr Leichtigkeit, Sicherheit und Kompetenz in Hinblick auf achtsame Kommunikation zu entwickeln, was sowohl der eigenen Praxis als auch dem Unterrichten von MBSR-, MBCT- oder MBCL-Kursen zugute kommt.

Bernd Langohr, Dr. med., ist MBSR-Lehrer und Dozent in der MBSR-Lehrerweiterbildung am Institut für Achtsamkeit. www.jena-achtsamkeit.de

Grundlagenseminare Interpersonal Mindfulness Program (IMP)
mit Frits Koster & Bernd Langohr 14. - 17. Mai 2020 im Haus Klara bei Würzburg

29. Oktober - 01. November 2020 im Kloster Mariastern in Hohenweiler in Österreich (nahe Bregenz & Lindau)

Information & Anmeldung


Susanne Schneider, Ihre Ansprechpartnerin beim Institut für Achtsamkeit, hilft gerne weiter:

Tel: +49-172-2186681

Sprechzeiten:

Dienstag:10:00 - 13:00 Uhr
Donnerstag:10:00 - 13:00 Uhr
Sie können über das Kontaktformular auch Informationen vom Institutsbüro anfordern.